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Interview
NEAL MORSE - Wohin Gott ihn führt ... NEAL MORSE Neal Morse ist mal wieder richtig zufrieden mit sich und der Musikwelt. Das aktuelle Scheibchen "Sola Scriptura" wird von einigen Kritikern als bestes Morse-Zeichen überhaupt bewertet, kritischere Stimmen fallen zugleich nicht allzu negativ aus. Passend zu den ersten sehr warmen Sonnenstrahlen also Frühlingsgefühle bei dem Mann, der den Prog-Königen Spock's Beard vor Jahren wegen seines Glaubens den Rücken kehrte. Volker Weber notierte den Small Talk. Wie findest du selbst "Sola Scriptura"? Neal Morse: Weißt du, ich bin sehr zufrieden mit dem Album. Ob das nun das Werk des frischen, jungen Neal Morse ist, weil sich manche stellenweise gar an "The Light" (Debütalbum von Spock's Beard, Neals erster Band - vw) erinnert fühlen, weiß ich nicht. Objektiv beurteilen kann ich meine Arbeit sowieso nicht, dafür bin ich viel zu nah dran. Ich bin am Ende immer nur froh, eine CD auch geschafft zu haben. Die CD zeichnet sich durch drei lange Stücke aus, zwischen denen man nicht mal eben so hin und her springen kann. Warum musste das so sein? Neal Morse: Du sollst auch nicht einfach zappen wie beim Fernsehen, wir bringen dich schon dazu zuzuhören, haha. Nein, geplant waren diese langen Stücke nicht. Mike Portnoy (Schlagzeuger von Dream Theater, Freund von Neal Morse und ständiger Drummer auf dessen Soloalben - vw) hat mich dahin getrieben. Er war schon damals bei den Aufnahmen zu "Testimony" ziemlich genervt von den vielen Trackmarks und ID-Points auf seinem Ipod. Zwischendurch haben wir mal Witze gemacht, die neue CD in einer Portnoy-Version mit den langen und einer Morse-Version mit kurzen Stücken herauszugeben. Am Ende wird es nun den Prog-Fans eher zusagen, eine volle CD mit drei langen Liedern und einem kurzen zu haben. Auf Mikes freundschaftlichen Rat kannst du dich wohl immer verlassen ... Neal Morse: Ja, er ist fantastisch, kritisch und immer sehr am Ergebnis orientiert. Mit einem Vorschlag hat er mich aber überrascht. Er wünscht sich als nächste Platte eine, die wie meine erste Soloscheibe ist: Poppiger und mit kurzen Stücken. Und, wird Mike sich durchsetzen? Neal Morse: Nun, ich schreibe gerade wieder neues Material. Aber nichts Poppiges. Mike hat wohl allmählich genug von den Konzept-Alben, jetzt ging es ja wieder um das Leben von Martin Luther. Ich, der ich die Musik schreibe, finde eine Konzeptidee aber mittlerweile sehr hilfreich. Ich brauche einen Handlungsfaden, eine Idee. Dadurch kommt die Musik schneller aus mir hervor. Wie damals bei "Snow", dann fluppt es einfach. Was ist denn live zu erwarten, wieder eine Tour mit einer No-name-Band wie auch zuletzt nach deinem Album "?"? Neal Morse: Ja, wobei ich mit der Tournee alles andere als zufrieden war. Wenn etwas nicht geklappt hat, dann lag es nicht an den Musikern. Das waren mehr organisatorische und produktionstechnische Dinge. Licht und Sound stimmten nicht immer. Wenn wir Ende Mai für ein paar Auftritte in Holland und Deutschland sind, werden es wieder holländische Jungs sein, die mit mir auf die Bühne gehen. Mit dabei ist aber ein etwas bekannterer Gitarrist, der auch für die Carl-Palmer-Band spielt: Paul Bielatowicz. Im Übrigen war ja schon die "Testimony"-Band nun nicht gerade gespickt mit Stars, den Bassisten Randy George kannte damals ja auch niemand. Mike Portnoy war im Grunde der einzige, der einen Namen hatte. Er hat aber gerade wieder viel zu viel zu tun, ist mit den G3 unterwegs und kann auch danach nicht mit auf Tour kommen. In der Zwischenzeit veröffentlichst du ja weiter CDs, so deine Fanclub-Reihe "Inner Circle" (Infos: www.nealmorse.com) oder die Scheibe "Cover to Cover". Anstrengend? Neal Morse: Nun, manchmal schon. Es gehört auch Disziplin dazu, alle zwei Monate eine CD oder DVD für den Fanclub fertig zu haben. Andererseits kann ich dort auch Live-Mitschnitte, alte Musicals oder andere Besonderheiten herausbringen, die es sonst nie an die Öffentlichkeit schaffen würden. Und grundsätzlich hilft der "Inner Circle" meiner Familie und mir natürlich weiter, auch finanziell. "Cover to Cover" war nun sozusagen der Gegenentwurf zu all den Bonus-CDs, die es seit "Snow" mit Spock's Beard eigentlich bei jeder meiner Veröffentlichungen gegeben hat. Diesmal war es dann ein eigenständiges Produkt, mit viel positiver Musik. Wir haben die CD die "Wohlfühl-Platte für 2006" getauft. Und wie fühlt man sich, mittlerweile selbst gecovert zu werden? Neal Morse: Oh, werde ich das? VW: Nun, nicht für den offiziellen Markt, sondern den Hausgebrauch. Ein Deutscher namens Michael Ellis (Kontakt: mickeellis@gmx.de) hat sich an ein paar deiner Spock's-Beard- und Transatlantic-Stücken versucht, in einer Unplugged-Version, mit Streichern und Bläsern verfeinert. Ganz lustig. Neal Morse: Oh, da muss ich mal reinhören. Vielleicht macht mich das ja sogar ein bisschen stolz. Und sonst gratuliere ich herzlich zum Nachwuchs im Hause Morse! Neal Morse: Was meinst du? VW: Na, ihr habt doch bestimmt die Geburt der allerersten Solo-CD deines Bruders Al, mit dem Titel "4 O'clock & Hysteria" gefeiert ... Neal Morse: Oh ja, haha, wie soll ich sagen: Al braucht für gewisse Dinge einfach etwas länger, zum Teil auch mal Jahrzehnte ... Ich kenne die Scheibe ziemlich gut, weil ich hier bei mir in Nashville und auch in Los Angeles ein bisschen was dazu einspielen konnte. Ein paar Keyboards, akustische Gitarre und auch mal ein wenig Bass. Und die nächste große Tat von dir ist welche? Neal Morse: Warte, ich belege gerade einen Jodel-Kurs und lass dich jetzt mal hören, was ich drauf habe. (Neal jodelt, tatsächlich). Tja, dem ist nichts mehr hinzuzufügen ... Neal Morse: Doch! Im Ernst schreibe ich natürlich immer auch etwas Christliches. Zuletzt die "Songs From The Highway", so eine Art akustischer Folk, nicht nur für Gläubige allerdings. Das ist neu gewesen für mich und wird fortgesetzt. Und alles andere wird sich zeigen, je nachdem, wohin Gott mich führt. DISCOGRAFIE (Auswahl) Als Solokünstler: Neal Morse (1999) Merry Christmas From The Morse Family (2000) It´s Not Too Late (2001) Testimony (2003) One (2004) ? (2005) Cover to Cover (2006 - Coversongs mit Mike Portnoy und Randy George) Sola Scriptura (2007) Mit SPOCK'S BEARD: The Light (1995) Beware Of Darkness (1996) The Kindness Of Strangers (1997) Day For Night (1999) V (2000) Snow (2002) Mit TRANSATLANTIC: SMPTe (2000) Bridge Across Forever (2002) Autor: Volker Weber Stories von NEAL MORSE NEAL MORSE -- Viel zu viel Hass (Interview - Heft Nr. 213)
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